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Eine kleine Nachlese zum dritten Rhön Open
Dienstag, 02.01.2001 - Lokalsport Bad Neustadt

Mit der Dame gegen die Zeit

SCHACH · Die Stadtmeisterschaft von Bad Neustadt bleibt ein Schach-Turnier im deutlichen Aufwärtstrend.

¤VON CAISSA

Es lässt sich mit Fug und Recht feststellen, dass die Stadtmeisterschaft im Schach von Bad Neustadt zu einer festen Einrichtung unter den Schachturnieren in Unterfranken geworden ist. Was 1988 in relativ kleinem Rahmen begann hat sich zu einem ansehnlichen Turnier entwickelt, das heuer mit zwei Internationalen Meistern auch eine qualitative Aufwertung erfuhr.

Um diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren - besonders seit das Turnier als Rhön Open ausgetragen wird - Wolfgang Poppe verdient gemacht. Der rührige Stadtrat setzt sich vehement für das Schach ein. Übrigens nicht nur organisatorisch, sondern auch am Brett, wo er zu einer wichtigen Stütze der dritten Mannschaft geworden ist. Und mit seinen beiden Söhnen Heiko und Björn hatte der Schachklub zwei schöne Talente in seinen Reihen. Der Beweis ist, das Heiko inzwischen beim SV 1865 Würzburg Bundesligaluft schnuppert.

Doch zurück zur Schach-Stadtmeisterschaft. Der Modus mit sieben Runden nach Schweizer System (da spielen immer diejenigen gegeneinander, die gleich viel Punkte auf ihrem Konto haben), garantiert schon von vornherein viel Spannung, erst recht bei steigender Teilnehmerzahl. Und wenn dann noch das Spitzenfeld eng beieinander liegt, lohnt sich das Kibietzen.

Diesmal hatten immerhin 16 der 67 Teilnehmer über 2000 Wertungspunkte, da mussten auch die beiden IM hart kämpfen und das Endergebnis (wir berichteten am Samstag) zeigte, dass allein Titel und hohe Elo-Zahl nicht den Sieg garantieren. Ein Ausrutscher, wie er IM Henry Dobosz passierte, kann in einem solchen Turnier nicht mehr ausgeglichen werden. Der drohte auch dem zweiten IM in der 5. Runde, doch rettete er sich mit viel Einsatz in ein Remis.

Diese beiden Partien waren sehenswert. Aber auch an den anderen Brettern gab es oft tolle Stellungen, Kombinationen und vor allem Zeitnotduelle. Denn bei der Stadtmeisterschaft hat jeder Spieler zwei Stunden für 40 Züge, dann ist die erste Zeitkontrolle fällig. Danach bekommt jeder 30 Minuten für den Rest der Partie. Dass das zu verrückten Situationen führt, ist klar.

Ein schönes Beispiel war die Partie zwischen dem Bad Neustädter Gerd Heerlein und dem Münnerstädter Jan Magura. Man kennt sich zwar, aber am, Brett geht es zur Sache. Heerlein hatte sich einen Vorteil erkämpft, gar eine Dame und einen Läufer gegen drei mickrige Bäuerlein aufgestellt. Er hatte das aber mit viel, viel Zeit bezahlt. Auf seiner Uhr waren nur noch wenige Sekunden.

In einer solchen Situation steht nicht nur der Schiedsrichter (ruhig und gelassen wie immer Eckhard W. K. Beck aus Würzburg) am Brett, auch jede Menge Zuschauer fibern mit. Da wird auch ein bisschen in die psychologische Trickkiste gegriffen. Heerlein zog in der Eile mit beiden Händen - prompt raklamierte Magura. Der Schiedsrichter ermahnte Heerlein. Magura seinerseits - er hatte noch 15 Minuten Zeit - schrieb nicht mehr mit. Der Schiedsrichter musste ihn dreimal ermahnen und überlegte schon, ob er von seinem Recht Gebrauch machen und Heerlein eine Zeitgutschrift geben sollte.

In der Zwischenzeit hatte Heerlein mit seinen Figuren zwei der Bauern kassiert, würde er noch den letzten schlagen, wäre ihm ein Remis sicher, auch dann, wenn seine Zeit abgelaufen ist. Das hätte er leicht haben können, wenn er die Dame dafür gegeben hätte. Doch Heerlein wollte keinen halben, sondern einen ganzen Punkt, aber wenige Züge vor dem Sieg fiel sein Blättchen - Punkt für Jan Magura.

Solche Dinge machen das Schach spannend und die Stadtmeisterschaft interessant. Entsprechend fleißig wurde nach jeder Runde auch analysiert. Ein hübsches Bild war es, als IM Dobosz, dem der zehnjährige David so gut gefiel, zusammen mit dem Nachwuchstalent eine Partie analysierte. David - wie bei der Partie stets stehend und mit viel Eifer dabei - hörte sich die großmeisterlichen Ratschläge und Tipps genau an: Pech für seine nächsten Gegner.

So locker wie die ganze Turnieratmosphäre verlief auch die Siegerehrung. Organisator Wolfgang Poppe nutzte die Gelegenheit, seinen Mitstreitern Markus Markert, Jo Dorst und Schiedsrichter Eckhard W, K. Beck zu danken. Dieses Team wird im nächsten Jahr zur. 14. Stadtmeisterschaft (viertes Rhön Open) rufen.

Zweite Bürgermeisterin Anne Zeisner dankte dem Schachklub für dieses Turnier, dem sie in den nächsten Jahren weiter steigenden Zuspruch wünschte. Sie sagte, dass die Stadt für solche Veranstaltungwen, gerne ihre Räunmlichkeiten wie das Alte Amtshaus zur Verfügung stelle. Als kleines Dankeschön gab es einen Scheck für den SK. Johannes Teschemacher (Maßbach), Vorsitzender des unterfränkischen Schachverbandes nannte das Turnier wieder “gut gelungen” und rief gleich zum Wiederkommen im nächsten Jahr auf.

Schiedrichter Beck hatte dann die Preise parat. Den Pokal erhielt IM Zbigniew Ksieski. Bester Schüler wurde David Schneider, bester Jugendlicher Heiko Poppe. Beste Dame war Anna Stephan (Bayreuth). Weitere Sonderpreise: Bester unter Wetungszahl 1600: Peter Lamping; bester unter 1800 Friedrich Ritter (Römershag), unter 2000 Simon Baudrexel (Bad Nauheim).