Städtepartnerschaft mit Obertshausen
Lebendige Städtepartnerschaft
Seit Jahren verbindet die beiden Schachvereine, den Schachclub Obertshausen und den ESV Lok Meiningen das jährliche Zusammentreffen beim Schnellschachturnier in Meiningen. Nachdem sich die Obertshäuser Gäste nunmehr auf das zehnjährige Besuchsjubiläum in 2011 vorbereiten, war es an der Zeit, endlich einmal einen Gegenbesuch in Obertshausen zu machen. Extra zu diesem Zweck hatten die Obertshäuser ihr jährliches Grillfest aufgewertet und zum Kampf um den „Hüttenpokal“ per Blitzturnier aufgerufen. Blitz spielen heißt, dass für jeden Spieler pro Partie lediglich 5 Minuten Zeit zur Verfügung stehen. Für einige Schachspieler stellt Blitzschach eine nette Fingerübung beziehungsweise ein „geistiger Sprint“, für manchen Spieler jedoch, der lieber mehrere Stunden pro Partie am Brett verbringt, eher eine moderne Art der Folter dar. Vier Meininger Schachspieler nahmen die Herausforderung an und haben sich auf den Weg ins Hessenland gemacht. Mit der Meininger Schachdame Vera Latka an der Spitze wollten Frank Jörges, Wilhelm von Otte und Peter Lehmann sowohl beim Turnier als auch beim kulturellen Teil der Veranstaltung ihren Part beitragen. Als kleines Gastgeschenk fanden anstelle eines sonst üblichen schnöden Staubfängers 50 Meininger Bratwürste den Weg ins Gepäck, insbesondere, um auch einmal diejenigen Gastgeber, die bisher noch nicht mit in der Theaterstadt waren, mit dem Genuss von Meininger Bratgut zu beglücken. Der Berichterstatter konnte sich persönlich vom Erfolg der Maßnahme überzeugen, am Ende der Veranstaltung war die gesamte Menge komplett vertilgt worden.
Das Turnier, an dem 14 Spieler teilnahmen, gestaltete sich sehr spannend. Bereits nach wenigen Runden deutete sich ein Zweikampf zwischen von Otte und dem gastgebenden Baumgartl an, dicht gefolgt von einer Reihe von mehreren Spielern, u.a. auch Jörges. Lehmann, beim Blitzen durchaus auch ambitioniert, verdarb mit gleich vier Startniederlagen in Folge gleich anfangs jede Chance auf den Turniersieg. Im vorletzten Spiel sollte die Entscheidung fallen. In einem extremen Zeitnotdrama zwischen den beiden gleichauf liegenden Konkurrenten Baumgartl und von Otte entschieden Bruchteile von Sekunden über den Turniersieg. Von Otte schien schon geschlagen, als Baumgartl einen strategischen Fehler beging. Mit einer Übermacht von 5 Bauern stellte er von Ottes König in eine Position, in der von Otte mit selbigen keinen legalen Zug mehr machen konnte. Dies machte sich von Otte zunutze, indem er ein Manöver einleitete, dass bei Schachspielern auch als „irrer Iwan“ bekannt ist. Hierbei versucht die materialtechnisch unterlegene Partei ihr restliches Figurenmaterial zwingend zu opfern, um dann dank des unbeweglichen Königs auf Patt, also einen unentschiedenen Ausgang zu reklamieren. So auch hier. Von Otte hatte außer seinem König an Material lediglich noch einen blanken Turm zur Verfügung, mit dem er laufend dem Gegner „Schach“ gebot. Und tatsächlich, in einem unbedachten Moment stellte Baumgartl seinen eigenen König so unglücklich auf, dass er nach dem nächsten Schachgebot den Turm hätte schlagen müssen und damit die Punkteteilung perfekt gewesen wäre. Unglücklicherweise jedoch überschritt von Otte genau bei der Ausführung dieses letzten Zuges seine Bedenkzeit. Das Blättchen der Schachuhr fiel und Baumgartl hatte sich buchstäblich über die Zeit gerettet. Damit war das Turnier entschieden, der Pokal blieb bei den Gastgebern. Jörges, der die ganze Zeit kontinuierlich stark gespielt hatte und Lehmann, der sich nach seinem verdorbenen Start steigern konnte und keine weitere Partie verlor, kamen dicht hinter dem Siegertrio ein (6. und 8. Platz) ein. Nach dem Turnier genossen Gastgeber und Gäste noch das schöne Wetter beim gemütlichen Beisammensein und dem gemeinsamen Besuch eines lokalen Volksfestes, bei dem die Teilnehmer die Gelegenheit hatten, aus 50 m Höhe an einer an einem Kran hängenden Plattform einen Blick auf Obertshasen und die umliegenden Gebirge zu werfen. Am nächsten Morgen hatten die Meininger auf der Rückfahrt dann noch genügend Zeit, die sehr angenehme Veranstaltung Revue passieren zu lassen und sich auf den Jubiläumsbesuch der Obertshäuser beim nächsten Meininger Turnier zu freuen.